- Was sind Repair-Cafés?
Repair-Cafés sind Orte, an denen Menschen zusammenkommen, um defekte Alltagsgegenstände wieder zum Leben zu erwecken. Hierbei handelt es sich um ein wiederkehrendes Veranstaltungsformat und nicht um ein dauerhaft geöffnetes Café. Sie werden von Initiativen organisiert und bieten die Möglichkeit, kaputte Geräte gemeinsam mit fachkundigen und handwerklich versierten Engagierten zu reparieren. Ob Staubsauger, Kaffeemaschine, Tischlampe oder sogar Computer – in gemütlicher Runde wird geschraubt, gelötet und getüftelt.
Dabei geht es um mehr als nur um die Reparatur selbst: Repair-Cafés möchten Hilfe zur Selbsthilfe leisten, Ressourcen schonen und das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum stärken. Wer einen kaputten Gegenstand mitbringt, spart nicht nur Geld und vermeidet unnötigen Müll, sondern erlebt auch das schöne Gefühl, in Gemeinschaft etwas Sinnvolles zu schaffen.

Ein weiteres Merkmal der Repair-Cafés ist, dass sie nicht gewinnorientiert arbeiten. Reparaturen erfolgen in der Regel auf Spendenbasis und sind nicht als Konkurrenz zu gewerblichen Dienstleistungen zu verstehen. Große Elektrogeräte wie Waschmaschinen oder Backöfen gehören daher meist nicht zum Angebot.
Oftmals finden die Treffen einmal im Monat statt, und das oftmals in einer besonders einladenden Café-Atmosphäre: Bei Kaffee, Kuchen und anregenden Gesprächen entsteht ein Ort, an dem man sich wohlfühlt und voneinander lernt. So werden Repair-Cafés nicht nur zu Werkstätten der Nachhaltigkeit, sondern auch zu Treffpunkten lebendiger Gemeinschaft. Alle können mitmachen und sich engagieren.
Tipp: Auf der Übersichtsseite des Netzwerk Reparatur-Initiativen und in dem Mitmach-Kompass von MehrWertRevier findet ihr einen Überblick über bereits bestehende Initiativen. Wenn ihr in eurer Freizeit mitarbeiten möchtet oder selbst ein Projekt plant, nehmt Kontakt zu bestehenden Initiativen auf. Die Initiativen geben ihr Wissen und ihre Erfahrungen gerne weiter.
- Ideen schärfen
Um ein Repair-Café ins Leben zu rufen, braucht ihr als erstes eine Vision. Mit wem möchtet ihr es umsetzen und wo soll es stattfinden? Wer werden wohl die Besuchenden sein und in welchem Rhythmus wollt ihr es organisieren? Nehmt euch einen Zettel und einen Stift und umreißt als erstes die grobe Idee.
Ein Repair-Café lebt vom Miteinander – zusammen geht es einfach leichter und macht mehr Freude. Sucht euch Menschen, die wie ihr Lust auf Nachhaltigkeit, Reparieren und Gemeinschaft haben. Wenn ihr die Aufgaben aufteilt, bleibt der Aufwand für jede Person überschaubar. Erzählt Freund:innen, Kolleg:innen oder Nachbar:innen von eurer Idee – oft findet man nicht nur Unterstützung, sondern auch neue Perspektiven und Anregungen. Überlegt euch, wo euer Repair-Café stattfinden soll und wer eure Gäst:innen sein könnten: Familien, Senior:innen, Studierende oder einfach alle, die neugierig sind. Genauso wichtig ist die Entscheidung, welche Dinge ihr reparieren möchtet. Ob Elektronik, Textilien, kleine Haushaltsgeräte oder Möbel – wählt das aus, was zu eurem Wissen und euren Möglichkeiten passt. Auch der zeitliche Rahmen will gut geplant sein: Soll euer Repair-Café jeden Monat stattfinden, alle zwei Monate oder vielleicht nur zu besonderen Anlässen?
Ebenso hilfreich ist es, den Bedarf an Werkzeug, Materialien und Ersatzteilen einzuschätzen. Vieles lässt sich leihen oder über Spenden organisieren – ihr müsst also nicht alles neu anschaffen. Vergesst bei all den praktischen Fragen nicht die Atmosphäre: Ein Repair-Café ist nicht nur Werkstatt, sondern auch Treffpunkt. Mit Kaffee, Kuchen und einer einladenden Umgebung wird aus dem Reparieren ein geselliges Erlebnis, bei dem Austausch und Gemeinschaft genauso wichtig sind wie das Schrauben und Löten. Und schließlich: Gebt eurem Projekt einen Namen, der zu euch passt und beschreibt, was euer Vorhaben ist. Interessante Namen bestehender Repair-Cafés sind zum Beispiel „Reparier-Bar“ oder „Café Ganzmacher“. Ein passendes Logo unterstreicht euren Auftritt und macht eure Initiative von außen sichtbar. So entsteht ein Ort, an dem nicht nur Dinge repariert werden, sondern auch Menschen zusammenfinden und ein kleines Stück Nachhaltigkeit lebendig wird.
Tipp: Hier findet ihr eine Übersicht aller aktiven Repair-Cafés aus dem rheinischen Revier. Dort könnt ihr Inspirationen für Namen und Einblicke in bereits erfolgreich durchgeführte Veranstaltungen finden.
Tipp: Euch fehlt die zündende Idee? Hier findet ihr eine neue Methode, um in 6 Phasen neue Impulse für euer Projekt zu finden.
- Kooperationen schließen
Kooperationen sind ein wertvoller Schlüssel, wenn es darum geht, eine Reparatur-Initiative ins Leben zu rufen oder zu stärken. Ein besonders guter Anfang ist es, bestehende Reparaturprojekte in eurer Umgebung zu besuchen. Dort könnt ihr euch nicht nur praktische Anregungen holen und von den Erfahrungen anderer profitieren, sondern gleichzeitig auch wertvolle Kontakte knüpfen, die euch später weiterhelfen können.
Ebenso lohnt es sich, das Gespräch mit lokalen Vereinen, Gemeinden, Umweltinitiativen oder bereits laufenden Projekten zu suchen. Oftmals können diese Partner wichtige Ressourcen einbringen – sei es in Form von Räumen, Materialspenden, finanzieller Unterstützung oder auch durch ihr Fachwissen und ihre Netzwerke. Gerade wenn es um Fragen der Versicherung oder Haftung geht, können erfahrene Organisationen hilfreiche Unterstützung leisten und euch so Sicherheit geben.
Ein schöner und zugleich wirkungsvoller Schritt ist es auch, die lokalen Akteur:innen zu einem Informationsabend einzuladen. Dort habt ihr die Möglichkeit, eure Idee ausführlich vorzustellen, offene Fragen zu beantworten und Vertrauen aufzubauen. Solche Begegnungen holen häufig motivierte Unterstützer:innen mit ins Boot, die sich gerne engagieren und eure Initiative bereichern.
- Raum finden
Für ein gelungenes Repair-Café ist die Wahl des passenden Raumes wichtig. Ideal ist eine Größe von bis zu 60 Quadratmetern. In einem solchen Raum finden mehrere Reparatur-Stationen, engagierte Helfer:innen sowie Besuchende bequem Platz. Bei den ersten Veranstaltungen kommen erfahrungsgemäß 20 bis 50 Menschen vorbei – genug, um ein lebendiges Miteinander zu schaffen, ohne dass es zu eng wird. Wichtig ist außerdem, dass der Ort einladend wirkt, leicht zu finden ist und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.
Besonders schön ist es, wenn Werkstatt- und Café-Bereich im gleichen Raum liegen. So entsteht eine offene, warme Atmosphäre, in der Reparieren und geselliges Beisammensein ineinanderfließen können – ob an einer großen Tafel oder in verschiedenen Bereichen.

Auch die Erreichbarkeit spielt eine Rolle. Parkplätze (auch für Fahrräder) sind hilfreich, noch wichtiger ist ein guter Anschluss an den Nahverkehr. Damit euer Repair-Café für alle zugänglich ist, achtet auch auf Barrierefreiheit: Gibt es Stufen, eine Rampe oder einen Aufzug? Solche Details machen viel aus.
Darüber hinaus sollte der Raum über passende Infrastruktur verfügen: genügend Tische und Stühle, gute Beleuchtung sowie sanitäre Anlagen und möglichst eine kleine Küche oder zumindest ein Wasseranschluss für Getränke oder Snacks. Geschirr oder Utensilien können vor Ort vorhanden sein oder vom Organisationsteam mitgebracht werden. Nicht zuletzt kann digitale Unterstützung nützlich sein. Ein stabiles WLAN oder mobiles Internet hilft, spontan Reparaturanleitungen zu recherchieren oder Video-Tutorials anzuschauen.
Tipp: Prüft früh genug, was am Veranstaltungsort bereits vorhanden ist und was gegebenenfalls noch organisiert, angeschafft oder ausgeliehen werden muss – von Werkzeugen über Lampen bis hin zu zusätzlichen Möbeln. So könnt ihr Doppelanschaffungen vermeiden und es entsteht ein Raum, der nicht nur funktional ist, sondern auch zum Wohlfühlen, Mitmachen und Verweilen einlädt.
- Mitstreiter:innen finden
Die wichtigste Grundlage jeder Reparatur-Initiative sind die Menschen, die sich engagieren. Für den Start empfiehlt sich ein Kernteam von mindestens vier bis fünf Personen, in dem jede:r einen eigenen Aufgabenbereich übernimmt.
Zu diesen Aufgaben gehören unter anderem:
- die Organisation von Räumlichkeiten, Werkzeugen und Terminen
- die Begleitung neuer Mitwirkender
- die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
- die Klärung von Sicherheits- und Haftungsfragen
- die Koordination der Reparaturen
Bei den Veranstaltungen selbst unterstützen weitere Engagierte, indem sie Besuchende empfangen, für Kaffee und Kuchen sorgen oder direkt bei den Reparaturen helfen.
Wer kann mitmachen?
Jede:r mit handwerklichen Fähigkeiten, Technikaffine, Nachbar:innen, Umweltinteressierte und Menschen, die gerne organisieren oder kommunizieren. In manchen Repair-Cafés sind sogar Schulklassen aktiv beteiligt. Welche Geräte repariert werden, hängt dabei von den Fähigkeiten und Interessen der Engagierten ab – von der Elektrotechnikerin im Ruhestand über den handwerklich geschickten Nachbarn bis hin zu Studierenden, die Lust auf praktisches Arbeiten haben.

Um engagierte Mitstreiter:innen zu finden, lohnt es sich, zunächst das eigene Umfeld einzubeziehen: Erzählt im Freundes- und Bekanntenkreis sowie in der Nachbarschaft von der Idee und nutzt die Kraft der Mundpropaganda, um weitere Interessierte zu erreichen. Auch Aushänge in Supermärkten, Gemeindezentren oder Baumärkten sind hilfreich, besonders wenn sie konkrete Aufgaben benennen. Organisiert frühzeitig eine Infoveranstaltung – so erreicht ihr viele Interessierte, die Lust haben, sich zu engagieren.
Darüber hinaus können lokale Vereine, Nachbarschaftszentren, kirchliche Einrichtungen oder Umweltverbände wertvolle Unterstützung bieten, ebenso wie Freiwilligenagenturen vor Ort. Nicht zuletzt sind Social Media, Flyer und lokale Presse effektive Wege, um Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Tipp: Gute Kommunikation ist entscheidend für ein erfolgreiches Repair-Café. In einer offenen Atmosphäre fühlen sich alle gehört. Dann gelingt der Austausch im Team und die Veranstaltungen laufen reibungslos. Hier findet ihr die Inhalte des Seminars „Gute Zusammenarbeit – kommunizieren, moderieren, Wissen weitergeben“ der DSEE.
Tipp: Hier findet ihr Tipps und Tricks, um Gleichgesinnte in 4 Schritten zu finden.
- Finanzierung
Bei einer Reparatur-Veranstaltung können je nach Rahmenbedingungen unterschiedlich hohe Kosten entstehen. Diese können variieren und liegen oftmals zwischen 15 und 20 Euro pro Veranstaltung. Der größte Posten ist meist die Raummiete. Besonders hilfreich ist es, wenn ihr im Rahmen einer Kooperation einen Raum findet, der kostenfrei genutzt werden kann. Auch im Bereich Verpflegung fallen in der Regel Ausgaben für Getränke und kleine Snacks an. Häufig tragen die Engagierten oder Gäst:innen etwas bei, zum Beispiel durch selbst gebackenen Kuchen, Kekse oder Salate.
Für Reparaturen werden natürlich auch Werkzeuge und Materialien benötigt. Am Anfang solltet ihr eigene Bestände verwenden und erst einmal beobachten, was tatsächlich gebraucht wird. Mit etwas Glück unterstützt ein lokaler Baumarkt oder Fachhandel mit kleineren Mengen oder verleiht Werkzeug. Im Idealfall bringt ihr eure eigenen Werkzeuge mit und nutzt Materialspenden von euren Besuchenden, sodass dieser Kostenpunkt überschaubar bleibt. In manchen Städten gibt es auch eine „Bibliothek der Dinge“, in der ihr Werkzeuge leihen könnt.
Auch für Werbematerialien und Versicherungen können Kosten anfallen. Die meisten Ausgaben lassen sich über Spenden decken. Damit das gelingt, ist es sinnvoll, dass ihr eine gut sichtbare Spendendose aufstellt und die Besuchenden freundlich darauf hinweist. Ein kleines Hinweisschild mit einer Orientierungshilfe für die Höhe der Spende kann ebenfalls nützlich sein.
Außerdem lohnt es sich, nach zusätzlichen Fördermöglichkeiten Ausschau zu halten. Manchmal unterstützen Stiftungen mit Fokus auf Nachhaltigkeit oder soziales Engagement entsprechende Projekte. Auch Wettbewerbe für Bürgerinitiativen können eine Gelegenheit sein, Preisgelder für die eigene Arbeit zu gewinnen.
Tipp: Nutzt die Ressourcen eurer Gruppe. Viele haben gebrauchte Werkzeuge und Materialien, die sie gerne teilen. Gemeinsam kommt ihr oft weiter, als ihr denkt.
- Öffentlichkeitsarbeit
Um euer Vorhaben bekannt zu machen, ist es wichtig, viel zu kommunizieren und kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Überlegt euch, wie ihr möglichst viele Menschen auf euer Projekt aufmerksam machen und mit ihnen in Kontakt bleiben könnt. Ein zentraler Baustein ist die Pressearbeit: Recherchiert passende Pressekontakte, insbesondere bei lokalen Medien wie Zeitungen, Radiosendern oder Mitteilungsblättern. Diese könnt ihr regelmäßig mit Pressemitteilungen über bevorstehende Veranstaltungen versorgen. Kurz vor dem Infoabend lohnt es sich, noch einmal persönlich den Kontakt zu suchen und Vertreter:innen der Presse direkt einzuladen.
Auch klassische Materialien wie Flyer, Plakate oder Aushänge sind wirkungsvoll. Plant dafür einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen vor eurer Veranstaltung ein und wählt Orte in der Nähe des Veranstaltungsortes, an denen viele Menschen vorbeikommen. Gebt auch euren Kooperationspartner:innen Materialien zur Weiterverteilung. Zusätzlich lohnt es sich, Veranstaltungskalender zu nutzen, die regional oder städtisch online oder in Printform angeboten werden. Oft ist die Veröffentlichung dort kostenfrei und eine gute Möglichkeit, mehr Sichtbarkeit zu erreichen. Hier findet ihr zum Beispiel die Terminübersicht des Netzwerks Reparatur-Initiativen.

Ihr könnt auch digitale Kanäle einsetzen: Eine eigene Website oder ein Blog bieten Raum, um über euer Reparatur-Projekt zu informieren, Kontaktdaten bereitzustellen und Termine anzukündigen. Ebenso effektiv sind soziale Medien – viele Initiativen nutzen beispielsweise Facebook oder Instagram, um ihre Inhalte schnell und unkompliziert zu verbreiten. Auch verschiedene Nachbarschafts-Plattformen sind hilfreich, um mit Menschen aus dem Umfeld direkt in Kontakt zu kommen.
Tipp:
Dranbleiben lohnt sich – Eine kontinuierliche Präsenz sorgt dafür, dass ihr im Gespräch bleibt.
Bilder sagen mehr als Worte – Nutzt Fotos und Videos, achtet dabei aber stets auf gute Qualität und auf die Rechte an den Aufnahmen.
Netzwerke schaffen – Sowohl online als auch vor Ort erreicht ihr unterschiedliche Menschen und erweitert eure Zielgruppe.
Vor Ort präsent sein – Ob beim Stadtteilfest oder auf dem Wochenmarkt: Je mehr Gelegenheiten es gibt, euch zu begegnen, desto besser.
Offen, kreativ und einladend auftreten – denn euer Repair-Café gewinnt durch die Menschen, die es gestalten und beleben.
Wie ihr eure Zielgruppe genau bestimmen könnt, erfahrt ihr hier. Außerdem geben Artikel der Verbraucherzentrale NRW Tipps, wie ihr eure Initiative durch Öffentlichkeitsarbeit sichtbarer macht und Social Media wirkungsvoll nutzen könnt. .
- Reparaturangebot & Grenzen
Bei der Planung des Repair-Cafés ist es wichtig, sich zunächst auf bestimmte Reparaturbereiche festzulegen – etwa Elektronik, Textilien, Möbel oder kleine Haushaltsgeräte. Wählt dabei, was zu eurem Wissen, eurer Ausstattung und euren Möglichkeiten passt. Repariert nur das, wofür im Team die Expertise vorhanden ist.
Überlegt, wie ihr euer Angebot strukturiert: Wie viele Stationen sind sinnvoll, welche Reparaturen deckt ihr an welcher Station ab?
Auch Termin und Rhythmus sollten gut durchdacht sein: Viele Repair-Cafés treffen sich einmal im Monat, oft am Wochenende oder nachmittags/abends unter der Woche. Für die Durchführung empfiehlt es sich, mindestens drei Stunden einzuplanen, plus Zeit für Auf- und Abbau. Ein Annahmestopp kurz vor Veranstaltungsende sorgt dafür, dass die letzten Reparaturen in Ruhe stattfinden können.
Besonderen Wert hat das Selbsthilfekonzept: Besuchende werden aktiv einbezogen, dürfen und sollen sogar bei den Reparaturen zusehen, mitarbeiten oder selbst Hand anlegen. So entsteht ein gemeinsames Lernerlebnis, das über einen reinen Service hinausgeht. Damit alle drankommen, lohnt es sich, pro Person nur ein Gerät zu reparieren. Wichtig ist auch eine klare Erwartung: Manchmal klappt eine Reparatur, manchmal nicht – im Mittelpunkt steht immer der gemeinsame Versuch und das Lernen.
Tipp: Wurde das defekte Geräte vor weniger als zwei Jahren gekauft, sollten Besucher:innen den Händler kontaktieren, denn die Gewährleistung ist noch gültig. Hier findet ihr alles zu Gewährleistung und Schadensersatz.
- Versicherung & Sicherheit
Für das gemeinschaftliche Reparieren in eurem Repair-Café gelten besondere rechtliche Regelungen, denn: In Nordrhein-Westfalen zählen Repair-Cafés inzwischen offiziell zum „klassischen Ehrenamt“. Damit gelten für sie dieselben Rechte und Pflichten wie für andere engagierte Initiativen, wie z. B. Umweltgruppen. Das schließt auch den Versicherungsschutz und die Haftpflichtversicherung nach den landesweiten Richtlinien ein. Detaillierte Informationen dazu stellt die Landesregierung NRW bereit.
Im Repair-Café sind vor allem zwei Versicherungen wichtig: die Unfallversicherung und die Haftpflichtversicherung. Die Haftpflichtversicherung schützt, wenn durch eine Reparatur ein Schaden bei Dritten entsteht. Auch bei größter Vorsicht lässt sich ein Restrisiko nie ganz ausschließen (Stichwort: Gefährdungshaftung). Nicht rechtsfähige Initiativen sind über die Landesversicherung NRW haftpflichtversichert. Alle ehrenamtlich Engagierten in NRW sind außerdem automatisch unfallversichert. Damit der Versicherungsschutz eindeutig ist, kann es sinnvoll sein, die Aufgaben und Tätigkeiten der Beteiligten schriftlich festzuhalten – z. B. in Form von Tätigkeitsbeschreibungen im Verein.
Als Repair-Café könnt ihr selbst einen gemeinnützigen Verein gründen. Der Verein kann dann eine Haftpflichtversicherung abschließen, die eure Reparatur-Veranstaltungen und alle Beteiligten absichert. Wenn ihr mit einem bestehenden Verein oder einer Institution kooperiert, könnt ihr eventuell den dort vorhandenen Versicherungsschutz mitnutzen.
Eine Haftpflichtversicherung kann auch über den Verbund Offener Werkstätten abgeschlossen werden, die einen umfangreichen Schutz für Besitz und Betrieb von Werkstätten zum Eigengebrauch bietet. Eine Mitgliedschaft beinhaltet zusätzlich eine Gruppen-Haftpflichtversicherung. Der Jahresbeitrag liegt bei 120 € (nicht-gemeinnützig) bzw. 220 € (gemeinnützig oder mit Trägerorganisation). Weitere Informationen findet ihr auf den Seiten des Verbunds Offener Werkstätten.
Gut organisierte Abläufe, klare Absprachen im Team, die Anwendung von Sicherheitsmaßnahmen und gesunder Menschenverstand tragen entscheidend zur Sicherheit bei. Eine Ein- und Ausgangsprüfung der Geräte ist zwar nicht vorgeschrieben, aber empfehlenswert, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Achtet auf fest verlegte Kabel, ausreichende Beleuchtung und einen vorhandenen Fehlerstrom-Schutzschalter. Verwendet nur Werkzeuge und Geräte in einwandfreiem Zustand. Im Zweifel – etwa bei fehlendem Wissen oder Werkzeug – solltet ihr keine Reparatur durchführen.
Die Regeln, Abläufe und Haftungsbedingungen eures Repair-Cafés sollten für alle Beteiligten transparent sein. Holt das Einverständnis eurer Gäst:innen am besten per Unterschrift ein. Eine geeignete Vorlage bietet der Laufzettel der anstiftung.
Die Prüfung der Geräte sollte durch eine fachkundige Person mit geeigneten Messgeräten erfolgen. Weitere Informationen und Vorlagen zur Dokumentation findet ihr auf den Seiten des Netzwerks Reparatur-Initiativen unter „Sicherheit und Haftung“.
Tipp: Alles rund um die Vereinsgründung findet ihr hier und ein Online-Seminar zum Thema Haftpflichtversicherung der Stiftung anstiftung gibt’s hier auf Youtube.
- Rund um die erste Veranstaltung: Ablauf & Personal
Etwa eine Woche vor eurer ersten Veranstaltung beginnt die intensive Vorbereitungsphase. Jetzt werden alle organisatorischen, kommunikativen und praktischen Punkte geklärt, damit am Tag selbst alles reibungslos läuft.
Überprüft Beschilderung und Aushänge: gut lesbare Tischschilder für die Stationen, Plakate, Veranstaltungsregeln und Laufzettel. Legt außerdem Informationsblätter zu den kommenden Terminen am Eingang aus. Kontrolliert, ob alle Werkzeuge und Materialien für die Reparaturstationen vorhanden sind und besorgt die Verpflegung.
Kontaktiert eure Pressekontakte, um sicherzugehen, dass die Pressemitteilung angekommen ist, und kündigt die Veranstaltung auf euren Social-Media-Kanälen an. Überlegt auch, ob ihr eine offizielle Eröffnung mit kurzer Begrüßung oder Grußwort plant.
Am Veranstaltungstag selbst plant ein bis zwei Stunden Vorlauf ein, um den Raum einzurichten. Jede Station sollte ausreichend Platz für Werkzeuge, Materialien, Reparierende und Besuchende bieten. Vergesst nicht genügend Sitzgelegenheiten für Wartende.
Für einen reibungslosen Ablauf sorgt eine klare Aufgabenverteilung: Die Empfangsstation sollte dauerhaft besetzt sein und bei hohem Andrang ggf. eine Anmeldeliste führen. Nicht alle Teammitglieder müssen reparieren – eine Person behält idealerweise den Überblick, unterstützt spontan und kümmert sich um organisatorische Kleinigkeiten. Die Reparierenden wählen selbst, welche Geräte sie bearbeiten, erklären ihre Schritte und motivieren die Gäst:innen zum Mitmachen.
Weitere Teammitglieder kümmern sich um Verpflegung, organisatorische Fragen oder dokumentieren die Veranstaltung mit Fotos.
Zum Schluss: Stellt die Spendendose gut sichtbar, z. B. am Empfang, auf und weist die Besuchenden darauf hin.