„Mehr Menschen könnten ihren eigenen Strom erzeugen“

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Diskussion zur Energiewende „von unten“ im Rheinischen Revier / Verbraucherzentrale NRW stellt Ergebnisse des Bürgerforschungsprojekts zu Steckersolargeräten vor
Nachhaltigkeitsdialog zu Steckersolargeräten

Was können private Haushalte zum Ausbau erneuerbarer Energien beitragen und wie profitieren sie selbst davon? Das diskutierten 27 Vertreter:innen aus Kommunen, Energieverbänden und Bürgerschaft am 23. April auf Einladung der Verbraucherzentrale NRW im  Energie-Kompetenz-Zentrum (EKoZet) Kerpen. Grundlage waren unter anderem die Ergebnisse des Bürgerforschungsprojekts „Solar – Na klar!“, das die Verbraucherzentrale mit 18 Steckersolar-Pionieren aus dem Rheinischen Revier durchgeführt hat. Die zusammengetragenen Daten zeigen, dass in der Stromerzeugung auf Balkon oder Terrasse noch großes Potenzial für die nachhaltige Energieerzeugung steckt. 

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Jonas Grauel, Leiter des bundes- und landesgeförderten Projekts MehrWertRevier der Verbraucherzentrale NRW, begrüßte die Gäste. „Damit das Rheinische Revier sein Ziel erreicht, nachhaltige Modellregion in Europa zu werden, braucht es auch Beiträge aus der Bürgerschaft. Deshalb haben wir einen partizipativen Ansatz für unser Forschungsprojekt gewählt und eine Technik in den Mittelpunkt gestellt, die es auch Mieter:innen erlaubt, klimafreundlich Energie zu produzieren“, so Grauel. Mit dem Citizen-Science-Projekt hat die Verbraucherzentrale NRW zugleich Neuland betreten und verfolgt das Ziel, neue Instrumente für die Verbraucherarbeit zur Energiewende zu entwickeln.

„Die Idee des Bürgerforschungsprojekts und dieser Veranstaltung ist eine hervorragende Ergänzung eines wesentlichen Teils unserer Arbeit. Ohne die Menschen mitzunehmen und sie zur Mitgestaltung der Energiewende zu motivieren, wird diese nicht von Erfolg gekrönt sein. Die Energiewende geht uns alle an“, sagte Rüdiger Warnecke, Geschäftsführer des Energie-Kompetenz-Zentrums Rhein-Erft-Kreis, in seinem Grußwort.

Steckersolar-Pioniere brachten ihre Erfahrungen in die Forschung ein

Begleitet wurde das Forschungsprojekt vom Institut für Verbraucherwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Katharina Rzepucha-Hlubek stellte die Ergebnisse vor. Die beteiligten Steckersolar-Pioniere hatten gemeinsam mit den Wissenschaftler:innen Fragebögen für zwei Untersuchungen erarbeitet: eine nicht-repräsentative Befragung von Menschen, die ebenfalls bereits ein Balkonkraftwerk besitzen, sowie eine repräsentative Bevölkerungsbefragung. Beide Erhebungen wurden im Rheinischen Revier durchgeführt. Dabei stellte sich heraus: Nur 36 Prozent der Befragten haben eine genaue Vorstellung von Steckersolargeräten, 33 Prozent haben von der Technik gehört ohne genau zu wissen, wie sie funktioniert und weitere 31 Prozent kennen die Geräte nicht.

Die Untersuchungen zeigten zudem, dass es in der Bevölkerung des Rheinischen Reviers noch zahlreiche offene Fragen in Bezug auf die Balkonkraftwerke gibt: Für jeweils 50 bis 60 Prozent der befragten Nicht-Nutzer:innen stellen Unklarheiten bezüglich der Rechtslage, des Versicherungsschutzes, der Anmeldung und der Sicherheit ein Hemmnis für die Anschaffung eines Steckersolargerät dar.

Gründe für die Nutzung von Balkonkraftwerken

Für diejenigen, die bereits ein Balkonkraftwerk besitzen, sind die wichtigsten Motive für die Anschaffung die Möglichkeit, selbst Strom zu erzeugen, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten und unabhängiger von steigenden Strompreisen zu werden. „Was viele nicht wissen ist, dass sich die Anschaffung eines Balkonkraftwerks rein rechnerisch schon nach wenigen Jahren auszahlt, sofern das Gerät günstig ausgerichtet wird“, so Jonas Grauel.

Für Bürgerforscher Peter Baruschke aus dem Rhein-Kreis Neuss ist Technikinteresse ein wichtiger Grund, auf selbst produzierten Sonnenstrom zu setzen: „Ich begeistere mich für Technik. Deshalb habe ich gerne an dem Forschungsprojekt mitgearbeitet und meine Erfahrungen mit Steckersolar eingebracht. Das Tolle an den Geräten ist, dass man viel über den eigenen Stromverbrauch lernt und dadurch Einsparungen für die Umwelt, aber auch für den eigenen Geldbeutel erzielen kann. Das motiviert mich sehr.“ 

Energiewende als Gemeinschaftsaufgabe

Durch weitere Inputs – unter anderem vom Solarenergie-Förderverein – in Kleingruppen sowie in einer Fishbowl-Diskussion wurde die Frage „Wie gelingt die Energiewende gemeinsam?“ weiter vertieft. Auf der Veranstaltung wurden zahlreiche Ideen entwickelt, wie das bürgerschaftliche Engagement in diesem Bereich weiter vorangetrieben werden kann. Die Verbraucherzentrale NRW wird auf Basis des Bürgerforschungsprojekts und der Diskussionen Info- und Bildungsmaterialien erarbeiten, um weiterhin zielgruppengerecht zu Steckersolar zu informieren und aufzuklären.


MehrWertRevier ist ein Projekt der Verbraucherzentrale NRW im Rahmen des Programms
"Kommunale Modellvorhaben zur Umsetzung der ökologischen Nachhaltigkeitsziele in Strukturwandelregionen" (KoMoNa)

- Textbausteine für Standardantworten bei GTP-"Beschwerden"?