Alte Dörfer, neue Wege – Unterwegs in Richtung Zukunft

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Das Citizen-Science-Projekt „Alte Dörfer, neue Wege – Unterwegs in Richtung Zukunft" hat von Februar bis November 2024 nachhaltige Mobilitätslösungen für die Ortschaften rund um den Tagebau Garzweiler II gemeinsam mit engagierten Bürger:innen erforscht und entwickelt.
Kind fährt auf Fahrrad hinter einem Bus her

Im Rahmen des vom Bundesumweltministerium und dem Land Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts MehrWertRevier der Verbraucherzentrale NRW arbeiteten etwa 20 Anwohner:innen aus Tagebauranddörfern co-kreativ mit Wissenschaftler:innen des Instituts für Verbraucherwissenschaften (IfV) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zusammen. Das Projekt zeigte: Wo Bürger:innen mitgestalten, entstehen alltagstaugliche Lösungen und Gemeinschaftsgefühl – ein Vorbild für die partizipative Gestaltung des Strukturwandel im Rheinischen Revier.

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Hintergrund und Projektauftrag

Die Ausgangslage: Lücken im Mobilitätssystem

Die Verkehrsinfrastruktur rund um den Tagebau Garzweiler II weist erhebliche Defizite auf. Die geretteten Dörfer – Keyenberg, Kuckum, Berverath, Oberwestrich und Unterwestrich – sind nur unzureichend an den ÖPNV angebunden. Berufspendler:innen können die Zugverbindungen in die Großstädte nur schlecht erreichen und rund um den Tagebau können zum Teil selbst benachbarte Dörfer nicht mit dem Bus angefahren werden. Damit fehlt eine wesentliche Voraussetzung für auto-unabhängige Mobilität. Infrastrukturprojekte im Rheinischen Revier wie S-Bahnen und Radschnellwege sind zwar geplant, allerdings liegen ihre Fertigstellungen noch Jahre in der Zukunft.

Aus dieser Situation ergab sich Ausgangs-Fragestellung für das Bürgerforschungsprojekt: Welche Möglichkeiten für nachhaltige Mobilität im Tagebauumfeld lassen sich zeitnah und mit relativ geringen Mitteln realisieren? Und welche Rolle können Bürger:innen spielen, um nachhaltige Mobilität voranzubringen – eventuell in Kooperation mit Akteur:innen wie Kommunen und Verkehrsverbünden?

Projektkonzeption: Co-kreative Citizen Science

Das Projekt setzte dabei bewusst auf einen co-kreativen Ansatz. Dies bedeutet: Bürger:innen und Wissenschaft arbeiteten gleichberechtigt zusammen – nicht nur bei der Datensammlung, sondern bereits bei der Auswahl von Themenschwerpunkten und der Konkretisierung der Forschungsfragen. Die Bürger:innen brachten ihr Alltagswissen, ihre Perspektiven und ihre Gestaltungsideen von Anfang an ein und entwickelten gemeinsam mit Fachleuten praxisnahe Lösungen.

Die Laufzeit des Forschungsprojekts betrug sechs Monate (Februar bis August 2024) mit anschließender Auswertung und einer großen Abschluss-Dialogveranstaltung am 5. November 2024 in Erkelenz. Durchgeführt wurden fünf Workshops mit sehr hohem Partizipationsgrad, überwiegend in Präsenzform, um den persönlichen Austausch in der Gruppe zu gewährleisten.

Die Bürgerforschergruppe

Die Gruppe bestand aus circa 20 engagierten Anwohner:innen – viele davon bereits in verschiedenen Bürgerinitiativen am Tagebau aktiv. Sie stammten aus den Dörfern Holzweiler, Kaulhausen, Keyenberg, Kückhoven, Kuckum, Jackerath, Venrath und Wanlo. Sie brachten tiefgreifendes Praxiswissen über lokale Herausforderungen, Vernetzungstalent und Gestaltungswillen in das Projekt ein. Diese Voraussetzungen ermöglichten es, dass nicht nur Kritik an der bestehenden Situation artikuliert, sondern auch konkrete, realisierbare Konzepte entwickelt wurden.

Die Wissenschaftliche Begleitung durch das IfV der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sorgte für fachliche Fundierung, methodische Vorgehensweise, sorgfältige Aufbereitung gesammelter Daten. Die Verbraucherzentrale NRW koordinierte und moderierte das Projekt und stellte die organisatorischen Rahmenbedingungen bereit. 

Der co-kreative Forschungsprozess

Themenfindung und Fokussierung

In einem ersten Partizipations-Workshop wurden Möglichkeiten für eine nachhaltige Mobilität am Tagebau zunächst ganz offen erkundet. Im Rahmen ihrer „Zukunftskonferenz“ hatte die Initiative Dörfergemeinschaft Kulturenergie im September 2023 bereits eine Diskussion zum Thema nachhaltige Mobilität begonnen und die Themenbereiche „ÖPNV“, „Fahrradinfrastruktur“ und „Sharing-Angebote“ als besonders relevant herausgearbeitet. Anknüpfend an diese Schwerpunkte wurden die Bürger:innen eingeladen, ihre Wahrnehmung der Situation vor Ort zu beschreiben: An welchen Stellen erleben sie z.B. selbst Schwierigkeiten bei der Mobilität mit dem öffentlichen Nahverkehr oder mit dem Fahrrad? Welche Erfahrungen sind ihnen aus ihrem Umfeld bekannt?

In einem World-Café-Format wurde dann intensiv diskutiert: Welche Visionen und Wunschvorstellungen gibt es für jeden der drei Bereiche? Und wie könnten diese konkret umgesetzt werden?

Auf Basis der Diskussion entwickelte das Projekteam der Verbraucherzentrale und HHU fünf Ideen für Forschungsansätze – jeweils mit eigener Forschungsfrage, Methodik und Partizipationsmöglichkeiten. In einem zweiten Workshop diskutierten die Bürger:innen diese intensiv und stimmten ab. Die Wahl fiel dabei auf das Thema ÖPNV und konkret einen Forschungsansatz zur Entwicklung eines Konzepts für eine Ringbuslinie rund um den Tagebau. Denn es zeichnete sich ab, dass die Bürger:innen hier das größte Potenzial sahen, um Mobilitätsbedürfnisse gleich mehrerer wichtiger Anwohner-Gruppen (z. B. Schüler:innen, Berufspendler:innen) am Tagebau zu erfüllen.

Konzeptentwicklung und Prototyp

Die Kernarbeit der nächsten Workshops lag somit in der Ausarbeitung eines Vorschlags für die angedachte Ringbuslinie – von den Bürger:innen als „Überland-Express" benannt. Die Gruppe diskutierte dabei die Vor- und Nachteile mehrerer mögliche Routenführungen, Herausforderungen wie z. B. administrative Grenzen zwischen den Tagebau-Anrainerkreisen und überlegte, wie eine reale Erprobung des Konzepts gelingen könnte. Im Rahmen der Workshops schälten sich schließlich die zentralen Eckpunkte des Ringlinien-Vorschlags heraus.

Im Zentrum des Konzepts steht die Anbindung der Tagebauranddörfer an die beiden Bahnhöfe Erkelenz und Hochneukirch. Von dort aus bestehen direkte Zugverbindungen nach Köln, Düsseldorf, Mönchengladbach und Aachen – ein entscheidender Vorteil für Berufspendler:innen und alle, die in die umliegenden Großstädte gelangen möchten. Die Ringbuslinie führt kreisübergreifend über etwa 55 Kilometer und verbindet die Orte am Tagebaurand untereinander. Um die Fahrtzeiten zu verkürzen und die Flexibilität zu erhöhen, soll der Überland-Express gleichzeitig in zwei Richtungen verkehren – im Uhrzeigersinn und gegen den Uhrzeigersinn.

Ein wichtiges Ziel des Konzepts ist es, eine Gesamtfahrdauer von unter einer Stunde zu erreichen. Die Taktung ist so konzipiert, dass sie den Bedürfnissen verschiedener Zielgruppen entspricht: In den Stoßzeiten fährt der Bus stündlich, wobei der Fahrplan auf Schüler:innen, Berufspendler:innen, Senior:innen sowie junge Menschen abgestimmt sein sollte. Bei den Fahrzeugen setzt das Konzept auf Flexibilität – je nach Auslastung könnten auch kleinere Busse eingesetzt werden, um eine optimale Effizienz zu gewährleisten. Der Fahrpreis soll günstig bleiben und im Standard-ÖPNV-Tarif liegen, sodass auch das Deutschlandticket genutzt werden kann. 

Akzeptanzforschung

Um sicherzustellen, dass das Konzept tatsächlich die Bedürfnisse ausreichend vieler Anwohnergruppen trifft, führten die Bürger:innen zusammen mit dem HHU-Team eine umfassende qualitative Akzeptanzforschung durch. Im Kern dieser Phase standen 23 Einzelinterviews mit Anwohner:innen und sowie 4 Interviews mit Stakeholder:innen (lokales Verkehrsunternehmen, kommunale Verkehrsmanager:innen und weitere Akteure aus Verwaltung und Politik) aus der Region.

Die Befragten der Einzelinterviews waren je zur Hälfte männlich und weiblich und stammten aus verschiedenen Orten rund um den Tagebau. Vertreten waren Anwohner:innen aus Berverath, Keyenberg, Kückhoven, Rheydt und Oberwestrich, Kuckum, Venrath, Jackerath Wanlo, Kaulhausen und Holzweiler. Viele von ihnen waren bereits langjährig in kirchlichem, kulturellem oder sozialem Engagement tätig.

​Die Gesprächsinhalte offenbarten ein differenziertes Bild der Mobilitätsrealität vor Ort. Ein Großteil der Befragten berichtete von schlechten oder fehlenden Busverbindungen, die Einschränkungen beim Weg zur Arbeit, bei der Ausübung von Hobbys oder beim Zugang zu Freizeitangeboten mit sich brachten. Als Problem wurde die unzureichende Taktung des ÖPNV benannt: Viele beklagten, dass es keine Verbindungen am späten Abend gibt, dass das Wochenendangebot stark begrenzt ist und dass die bestehenden Linien oft nicht zuverlässig sind. So berichtete z.B. ein Befragter frustriert: "[manchmal] kommt der Bus gar nicht, der Busfahrer fährt einfach an einem vorbei“.  Zudem wurde die hohe Auslastung einzelner Linien erwähnt – besonders die Linie EK1 sei häufig sehr überlastet. Auch das Multibus-System erhielt Kritik: Es sei schwer zu erreichen und häufig überbucht, sodass Fahrgäste trotz Buchung nicht mitgenommen werden können.

Ein Interviewter fasste die Situation prägnant zusammen: „Mein großes Problem ist, dass ich hier so weit ab vom Schuss bin, dass ich kaum eine Arbeitsstelle annehmen kann." Ein anderer ergänzte: „…unverständlich ist, dass wir die Nachbarkreise von hier aus mit dem Bus nicht direkt erreichen können. Wir müssen immer zuerst nach Erkelenz." – ein Befund, der die fehlende kreisübergreifende Vernetzung deutlich machte.

​Zum Konzept für den Überland-Express-Konzept äußerten sich die Befragten deutlich positiver und nannten mehrere Gründe für ihre Unterstützung. Sie hoben besonders die Chancen einer schnellen Route und die damit verbundenen Zeit- und Kosteneinsparungen hervor – mehrere erwähnten, dass ein solches Angebot ihnen ermöglichen würde, auf das Auto zu verzichten. Besonders wichtig war vielen die direkte Anbindung an die Bahnhöfe, die es ihnen erlauben würde, in umliegende Großstädte zu gelangen. Ein Berufspendler dazu: „…ich würde sie jeden Tag nutzen, zweimal, weil dann könnte ich auch arbeiten." Ein jüngerer Befragter beschrieb seine Nutzung der angedachten Linie ähnlich: „Wenn, dann eben eher morgens und abends zum Pendeln mit der Arbeit und abends natürlich auch, wenn man sich mal trifft." Andere würden den Überland-Express vor allem für Freizeitaktivitäten nutzen – zum Einkaufen, um Freunde zu treffen, um kulturelle Veranstaltungen zu besuchen und um am sozialen Leben teilzunehmen. Wie eine Person ausdrückte: „Also ich würde die immer nutzen, wenn irgendwelche Aktivitäten in diesen Orten stattfinden, um am sozialen Leben teilzunehmen." Begrüßt wurde auch die von den Bürgerforschern angedachte Taktung – einige freuten sich ausdrücklich darüber, dass die Route früh starten und spät abends fahren und auch am Wochenende und an Feiertagen verkehren soll:  „Besonders gefällt mir, dass er wochentags in dieser großen Zeitspanne fährt und vor allem auch an Wochenenden und Feiertagen."​ Ein Interviewter betonte schließlich, dass eine Ringbuslinie auch den sozialen Zusammenhalt der Menschen in den Dörfern am Tagebau stärken könnte: „Das Miteinander der Orte wollen wir uns ja auch erhalten und das können wir ja über so was eigentlich nur noch verbessern."

Insgesamt zeigten die Aussagen: Es gibt großes Interesse an der Route, und die Menschen sahen konkrete Verbesserungen für ihr Alltagsleben.

Transparenz und Erwartungsmanagement: Das Fundament von Vertrauen

Co-kreative Projekte funktionieren nur, wenn allen Beteiligten von Anfang an klar ist, worum es geht – und worum es eben nicht geht. Eine häufige kritische Frage lautet: Besteht die Gefahr, dass Bürger:innen unrealistische Erwartungen entwickeln, wenn sie mitgestalten dürfen, das Planungsergebnis aber am Ende nicht umgesetzt wird?

Im Projekt „Alte Dörfer, neue Wege" waren sich die Bürger:innen von Anfang an klar darüber, was das Ziel des Projekts war: nicht die unmittelbare Umsetzung eines ÖPNV-Systems oder einer neuen Sharing-Infrastruktur, sondern die Erforschung, wie nachhaltige Mobilität vorangebracht werden kann und die gemeinsame Erarbeitung eines Konzepts. Es war klar, dass es nicht um Beteiligung im Sinne eines formalen Plans ging, der kommunal umgesetzt werden sollte, sondern um einen Raum, in dem die Bürger:innen zunächst Ideen und Konzepte entwerfen können, für die sie ggfs. selbst – organisiert etwa in einer Initiative – politisch lobbyieren müssen.

​Damit ist das zentrale Erfolgsprinzip benannt: Erwartungsmanagement beginnt mit Transparenz. Wenn Menschen verstehen, dass Co-Kreation oft bedeutet, selbst aktiv zu werden und politisch Druck aufzubauen, kann enttäuschten Erwartungen vorgebeugt werden und eine realistische, empowernde Perspektive entsteht.

Parallel zu den Bürgerbefragungen führten die Forscher:innen Gespräche mit Stakeholder:innen –  Verkehrsunternehmen, kommunale Verkehrsmanager:innen und weitere Akteure aus Verwaltung und Politik. Diese „Stakeholder-Interviews" zielten auf eine erste Einschätzung der Akzeptanz und Realisierbarkeit des Überland-Express-Konzepts ab.​ Die befragten Expert:innen zeigten sich insgesamt positiv angetan von dem Linienkonzept und gaben zu verstehen, dass eine Testphase zur Erprobung durchaus denkbar wäre. Allerdings benannten sie Herausforderungen, die vor einer praktischen Erprobung zunächst geklärt werden müssten: Es müsse ein zentraler Akteur die Umsetzung in die Hand nehmen, ein Betreiber der Buslinie müsse gefunden werden, ausreichend Fahrpersonal und Busse seien notwendig, neue Haltestellen müssten mit Barrierefreiheit eingerichtet werden. Außerdem stellten aus ihrer Sicht die administrativen Grenzen sowie die Landesstraßen-Verwaltung weitere Komplexitäten dar. Schließlich sei zu klären, wer die Kosten für einen Testbetrieb tragen könne.

Abschlussveranstaltung und öffentliche Präsentation

Am 5. November 2024 wurde das Citizen Science-Projekt mit einer großen Dialogveranstaltung in Erkelenz zum Abschluss gebracht. Das Institut für Verbraucherforschung stellte das methodische Vorgehen im Projekt sowie die Ergebnisse aus der Akzeptanzforschung vor, die Bürgerforscherinnen und -forscher präsentierten ihr Konzept für den „Überland-Express“ dem geladenen Publikum. Dabei waren zahlreiche interessierte Akteur:innen aus dem Tagebau-Umfeld, unter anderem Verkehrsexpert:innen,  Vertreter:innen der Stadt Erkelenz, der Kreise Heinsberg und Düren, Politiker:innen die sich mit Strukturwandelfragen beschäftigen, Agenturen, die mit Planungen rund um Tagebau beauftragt sind, sowie Vertreter:innen aus der Zivilgesellschaft. Im Rahmen einer offenen „Fishbowl“-Diskussion konnten sich alle Anwesenden inklusive der Gäste einbringen.

Am Ende bestand Einigkeit darüber, dass der „Überland-Express“ ein „diskussionswürdiger Ansatz zur Verbesserung des ÖPNV vor Ort darstelle". Den Citizen Scientists, die das Konzept entwickelt hatten, war wichtig klarzustellen: Der Überland-Express müsse als anpassbarer "Prototyp" verstanden werden, der im Austausch zwischen Bürger:innen, Politik und Verkehrsunternehmen weiterentwickelt werden sollte. Festgehalten wurde, dass ein engerer Austausch insbesondere zwischen der Stadt Erkelenz, dem Kreis Heinsberg, der Bürgerschaft und politischen Entscheidern notwendig ist, um das Vorhaben weiter voranzubringen. Die anwesenden Verkehrsexpert:innen schlugen zudem vor, ein professionelles Verkehrsplanungssystem zu nutzen, um die Stärken und Schwächen des „Überland-Expresses“ detaillierter herauszuarbeiten und das Konzept entsprechend zu verbessern. Diskutiert wurden zudem mögliche Finanzierungsansätze und Herausforderungen dabei. Klar wurde, dass wegen der kreisübergreifenden Routenführung die vier anliegenden Kreisen über eine gemeinsame Finanzierung Verhandlungen führen müssten, dass hierzu aber auch schon Vorbildmodelle aus anderen Regionen existieren  (z. B. Münsterland: 1/3 zu 2/3 Finanzierung). Vertreter des NRW-Verkehrsministeriums erörterten, dass ein neues Landesförderprogramm unmittelbar vor dem Start stehe, das die Investitionen wie z.B. Bushaltestellen finanzieren könne, jedoch nicht den laufenden Betrieb. 

Abschlussveranstaltung

Transfer und Weiternutzung der Ergebnisse aus dem Projekt

Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Citizen Science-Projekt „Alte Dörfer, neue Wege“ wurden je auf unterschiedliche Weise von den Beteiligten weiter genutzt und transferiert:

  • Die beteiligten Bürger:innen nutzten das von ihnen entwickelte Buslinien-Konzept, um für ihr Anliegen eines ÖPNV-Ausbaus am Tagebau zu lobbyieren. Unter anderem stellten sie das Konzept im Ausschuss für Braunkohle, Strukturwandel und Landfolge der Stadt Erkelenz und im Kreisrat des Kreises Heinsberg vor und führten Austauschgespräche mit dem lokalen Verkehrsunternehmen Westverkehr.
  • Die Verbraucherzentrale NRW entwickelte am Beispiel des Projekts das politische Planspiel „Alte Dörfer, neue Wege - Mobilität mitgestalten im Braunkohlerevier“ für Jugendliche und junge Erwachsene. Dieses kann als digitale Version heruntergeladen oder als haptisches Exemplar kostenfrei bestellt werden.
  • Um anderen Akteur:innen die Erfahrungen der intensiven Projekt-Zusammenarbeit mit Bürger:innen auf Augenhöhe zu vermitteln, wurde der Leitfaden „Gemeinsam Gestalten im Revier“ zur Durchführung co-kreativer Projekte mit Bürger:innen entworfen.
  • Das Institut für Verbraucherwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entwickelt eine wissenschaftliche Publikation zu dem Thema.
Abschlussveranstaltung

Fazit

Das Projekt „Alte Dörfer, neue Wege“ zeigt, dass co-kreative Projekte sehr gewinnbringend für den Strukturwandel sein können. Für die Koordinator:innen war es eine lohnende, wenn auch herausfordernde Erfahrung, den Prozess so offen zu gestalten, dass die Bürger:innen tatsächlich auch bei der Setzung von Themen und Fragestellungen mitwirken können. Denn dies bedeutet auch, in gewissem Maße Planbarkeit und Kontrolle abzugeben. Aus mehreren möglichen Ansätzen haben sich die beteiligten Bürger:innen für einen ambitionierten Ansatz mit ungewissem Ausgang entschieden – hier wurde das Projektteam oft mit der Frage konfrontiert, ob nicht die Gefahr droht, die Bürger:innen am Ende enttäuschen zu müssen, falls die angedachte Buslinie nicht umgesetzt werden kann. In diesem Kontext war Transparenz wichtig: Die klare Benennung, dass es im Rahmen des Citizen Science-Projekts um eine forschende Erkundung des Möglichen geht – und die Bürger:innen im Anschluss selbst verantwortlich sind, sich politisch für die Umsetzung einzusetzen – hat eine realistische, empowernde Perspektive geschaffen.

Deutlich wurde auch: Das Alltagswissen der Bürger:innen stellt eine wertvolle Ressource dar, um praktische Lösungen zu entwickeln, die dem Bedarf der Menschen vor Ort entsprechen. Mit dem „Überland-Express“ liegt nun ein fundiertes Konzept vor, das von der lokalen Politik und Verwaltung inzwischen ernsthaft diskutiert und erwogen wird. „Dies ist unseres Erachtens bereits ein beachtlicher Erfolg und zeigt den Wert von partizipativen Projekten im Strukturwandel“, so Jonas Grauel (Projektleiter MehrWertRevier).

 

Wenn Sie interessiert an den Ergebnissen des Forschungsprojektes sind, melden Sie sich gerne bei den unten stehenden Kontaktdaten.


Kontakt:

Marie Ufert
Tel.: 0211-91380 1208

Felix Langer
Tel.: 0211-91380 2147
citizen-science@verbraucherzentrale.nrw


MehrWertRevier ist ein Projekt der Verbraucherzentrale NRW im Rahmen des Programms
"Kommunale Modellvorhaben zur Umsetzung der ökologischen Nachhaltigkeitsziele in Strukturwandelregionen" (KoMoNa)

Förderlogos mit den Texten "Gefördert durch: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit" sowie "Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen"